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Klettergarten
statt Konferenzraum

In Zeiten globaler und digitaler Arbeitswelten wird Teambildung zum wichtigen Erfolgsfaktor. Zur Auswahl stehen Managern diverse Trainings vom Kajakfahren übers Brückenbauen bis zum Schafehüten. Doch welche Maßnahmen bringen wirklich nachhaltige Erfolge?

Die Szenen erinnern an Kindergeburtstage in Bullerbü: rasante Fahrten in Seifenkisten, lustiges Herumirren bei Blindekuhspielen, ungelenke Verrenkungen in Klettergärten.

Doch der Schein trügt: Hier geht es keinesfalls ums Feiern und Herumtollen. Statt junger Kinder johlen, schwitzen und hangeln gestandene Männer und Frauen um die Wette. Und zu allem Überfluss: Die Bespaßung ist Berechnung. Und sie dient nur einem Zweck: der Teambildung.

Keine schlechte Idee eigentlich. Denn in Zeiten von Büronomaden und digitaler Zusammenarbeit, in denen Kollegen oft nur per SMS oder E-Mail zwischen Geschäftsstellen, Homeoffice, Zügen und Flughäfen miteinander kommunizieren, gerät ihre Kooperation zu einem wichtigen Erfolgsfaktor im Wettbewerb. „In einer stets komplexer werdenden Arbeitswelt wird Teamarbeit immer wichtiger – und das richtige Teambuilding zugleich immer schwieriger“, sagt Professor Wolfgang Jenewein, Teamforscher und Direktor der Forschungsstelle für Customer Insight an der Universität St. Gallen.

Dabei kommt kaum jemand an der Gruppenarbeit vorbei. „Die globale Geschäftswelt wird immer weniger von Genies mit göttlicher Gabe bestimmt und immer mehr von Teams, die sich gegenseitig ergänzen und befruchten“, erklärt Jenewein. So verspricht sich die Wirtschaft allerlei Segnungen von der Teamarbeit: Kreativitäts- und Motivationsschübe, Arbeitsklimaverbesserungen und Kosteneinsparungen, Produktivitätssteigerungen und Innovationsvorsprünge.

Um all dies zu erreichen, schicken Unternehmen ihre Mitarbeiter auf diverse Trainings: zum Skifahren und Schafehüten, zum Bungee-Jumping und Brückenbauen, in Kochkurse, Kajakabenteuer und Klettergärten. Und solche Events lassen sie sich einiges kosten. Allein ein Teamtrainer schlägt mit 1.500 bis 2.000 Euro pro Tag zu Buche. Dazu kommen Kosten für die spezifischen Kurse, für Unterbringung und Verpflegung. Ein Zwei- bis Dreitagestraining kostet so leicht zwischen 250 Euro bis 500 Euro pro Teilnehmer.

One-fits-all-Lösungen gibt es beim Teambuilding nicht


FOTO Professor Hertel
Verängstigte oder unsportliche Naturen in einen Hochseilgarten zu scheuchen, bringt nichts.

Ob das Geld gut angelegt ist, entscheidet die Passgenauigkeit des Trainings. Leider gilt: „One-fits-all-Lösungen gibt es beim Teambuilding nicht“, sagt Thorsten Visbal, Teamtrainer und Inhaber der Visbal Unternehmensentwicklung in Hamburg. „Verängstigte oder unsportliche Naturen etwa in einen Hochseilgarten zu scheuchen, bringt nichts – außer ihrer Ausgrenzung aus der Gruppe“, so Visbal. Die jeweils passende Methode zu finden, erfordert viel Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl.

Und daran mangelt es in der Praxis nicht selten. Vorbehalte gegen Teambildungsaktivitäten sind weit verbreitet, wie eine aktuelle Studie unter mehr als 1.000 Angestellten in Großbritannien zeigt. Zwei Drittel der Beschäftigten kennen Teambuildings aus eigener Erfahrung. Doch nur ein Viertel (26 Prozent) glaubt, dass sich ein vermehrtes Angebot solcher Aktivitäten tatsächlich positiv auf die Arbeitseffektivität auswirken würde.

Teambildung ist eine langfristige Herausforderung

FOTO Professor Hertel
Ein ganz einfacher Mix aus Diskussionen und Gruppenaufgaben kann ein gutes Team entstehen lassen.

Der schlechte Ruf des Teambuildings kommt nicht von ungefähr. Hier sollten sich Firmen an die eigene Nase fassen. „Was viele Manager nicht beachten: Teambildung ist eine langfristige Herausforderung“, mahnt Professor Jenewein. Nachhaltig erfolgreiche Teams gediehen nur in einer Unternehmenskultur, die den Mitgliedern Entwicklungsperspektiven bietet.

Das weiß auch Hewlett-Packard (HP) in Böblingen. Bei der Förderung seiner High Potentials setzte der IT-Konzern früher ausschließlich auf die persönliche Entwicklung des Führungsnachwuchses. Seit vergangenem Jahr aber spielt zusätzlich die Teambildung eine wichtige Rolle. „Wir suchen schließlich keine Einzelkämpfer, sondern Leistungsträger mit großem Talent zum Teamplayer“, sagt Frank Bloch, Director Technology Consulting. Auf diese Weise will HP sicherstellen, dass seine Konzernstrategien auch im Büroalltag nicht per Order di Mufti verkündet werden, sondern „von den Teammitgliedern mitentwickelt und in die Organisation getragen werden“, so Bloch.

Um dieses Talent zu trainieren, lädt die Firma ihre Nachwuchskräfte regelmäßig zu Schulungen ein. Dort lernen sie zum Beispiel in der Gruppe, mithilfe von Stricken gemeinsam einen Turm zu bauen und damit sprichwörtlich an einem Strang zu ziehen. Und auch nach Feierabend geht das Training weiter. Anstatt mit Sterneküche verwöhnt zu werden, üben die Toptalente ihren Teamgeist beim gemeinsamen Kochen.

Worauf es ankommt: eine kluge Rollenverteilung sowie gemeinsame Werte und Ziele

Teambuilding à la carte für die Manager von morgen: So viel Weitsicht ist in der Wirtschaft nicht gerade verbreitet, wie Professor Jenewein weiß: „Anstatt auf eine kluge Rollenverteilung und auf gemeinsame Werte und Ziele zu setzen, werden Arbeitsgruppen oft frei nach dem Motto ,Wir haben gerade nichts Besseres an der Hand‘ zusammengewürfelt und dann die Daumen gedrückt, dass es schon klappt.“ Ein Scheitern sei hier programmiert.

So weit wollte es Nils Winkler nicht kommen lassen. Als der CEO der Bezahlsystemfirma Yapital in Hamburg seine Führungsmannschaft zur dreitägigen Teambildung in ein Landgasthaus einlud, hatten heftiges Wachstum, Umstrukturierungen und Entlassungen im Vorfeld für allerlei Unsicherheiten gesorgt. In diesen Wirren galt es, „aus zwölf starken Leuten ein starkes Zwölferteam zu schmieden“, so Winkler. Spektakuläre Events wie Speedboat-Fahren oder Bungee-Jumping brauchte es dazu jedoch nicht.

Die Truppe brachte vielmehr ein einfacher Mix aus Diskussionen und Gruppenaufgaben zusammen. In Teamübungen wie einem Balanceakt mit einem Zollstock oder dem gemeinschaftlichen Aufstellen eines Orga-Charts kristallisierten sich spielerisch und schnell die Rollen der Teilnehmer heraus. So positionierte sich jeder Manager auch treffgenau in der neu aufgestellten Firmenorganisation. Alles war leicht auf den Büroalltag übertragbar.

Seit dem Training reden die Manager zudem viel häufiger miteinander, anstatt sich „mit E-Mails zuzuspammen“, wie Winkler sagt. Er selbst schreibt am Tag heute statt 500 Mails nur noch rund 150. Die übrigen Themen bespricht er lieber  persönlich oder am Telefon.

Während die Wirkung manch atemberaubender Team- Events schnell verpufft, hielt das bodenständige Yapital-Training auch längerfristig einer Erfolgskontrolle stand. Vier Monate nach dem Event überprüfte die Mannschaft, ob die Positionen des Orga-Charts noch immer zutrafen. Und: Bingo, sie taten es. „Gemeinsam Lieder am Lagerfeuer zu singen, mag für andere Teambuildings sicherlich auch passen“, sagt Winkler. „Für uns aber wäre es zu kurz gesprungen gewesen. Im Tagesgeschäft verpufft die Wärme des Lagerfeuers oft allzu schnell.“