HaysWorld
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HaysWorld 01/17
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Mörderisch
teamfähig

Volker Klüpfel und Michael Kobr sind Krimiautoren. Sehr erfolgreiche Krimiautoren. Mehr als 4,5 Millionen ihrer Bücher rund um den kauzigen Kommissar Kluftinger aus Altusried im Allgäu haben sich bereits verkauft, und die Fangemeinde wächst weiter. Derzeit arbeiten die beiden am achten Band der Reihe, deren Ende – geht es nach der Anzahl guter Ideen für weitere Kriminalfälle – nicht abzusehen ist. Das Konzept kreativer Teamarbeit scheint bei Klüpfel und Kobr voll aufzugehen.

Er liebt Kässpatzen, seine Frau Erika und seinen uralten Passat. Er hasst Anglizismen, alles rund um Computertechnik (weil er beides nicht versteht), den Anblick von Leichen – und: tritt in jedes Fettnäpfchen, das sich nur bietet. Gleichzeitig ist Kommissar Kluftinger ein äußerst genauer Beobachter, kluger Analytiker und mit feinen Antennen ausgestatteter Ermittler. Ein Typ – vielmehr eine Type – mit vielen, oft widersprüchlichen Seiten. Den die Leser lieben, genauso wie sie seine Schöpfer Volker Klüpfel und Michael Kobr schätzen, deren Bühnenshows rund um den Kultkommissar für gefüllte Säle sorgen. Der Schaffensdrang der beiden seit 25 Jahren befreundeten Allgäuer ist enorm. „Wir müssen uns mittlerweile weniger Gedanken um neue Ideen machen als darum, in welcher Reihenfolge wir die vorhandenen abarbeiten“, sagt Klüpfel. Keine schlechte Ausgangslage für die Zukunft.

Angefangen hat alles im Jahr 2000 auf einer langen Autofahrt, als die Freunde quasi aus Langeweile die Figur Kluftinger und die Grundidee zu seinem ersten Fall entwickelten. Ernst wurde es fünf Jahre später, als Volker Klüpfel in seiner damaligen Eigenschaft als Kulturredakteur der Augsburger Allgemeinen gefragt wurde, ob er jemanden kenne, der einen Allgäu-Krimi schreiben könnte. Kannte er. Seitdem arbeiten sein Schulfreund Michael Kobr, ehemals Realschullehrer, und er als Team, und was anderen als schier unmögliche Aufgabe erscheint, hat sich bei ihnen als Erfolgskonzept erwiesen.

„Wir sind eher Handwerker als Künstler“

Volker Klüpfel und Michael Kobr

Zwei leicht derangierte Männer am Stammtisch ihrer Lieblingskneipe, wild diskutierend bei einigen Halben, zwischendurch wird auf herumfliegenden Zetteln etwas notiert ... Filmreife Vorstellung, aber grundlegend falsch. „Wenn wir so arbeiten würden, wären wir ja schon Alkoholiker“, lacht Klüpfel. „In Wirklichkeit sitzt jeder an seinem Schreibtisch und wir skypen miteinander, wenn wir etwas zu diskutieren haben.“ Kobr ergänzt: „Nur zur Erstbesprechung oder wenn wir an besonders wichtigen Gelenkstellen sitzen, treffen wir uns.“ Was nicht heißen soll, dass die beiden es nicht mehr miteinander aushielten, nach wie vor sind sie befreundet und verbringen mit ihren Familien sogar gemeinsame Urlaube, aber fürs „G’schäft“, wie Kobr das Schreiben nennt, bleibt jeder für sich.

Dabei sind sie einander die schärfsten Kritiker. Das fängt bei der Ideenentwicklung an: „Wir sind uns gegenseitig die größte Hürde – aber natürlich auch die Rückversicherung, dass der Einfall gut ist“, so Kobr. Hat die Idee die „Innenrevision“ passiert, legen sie im nächsten Schritt ein Konzept an, das detailliert die Handlungsschritte auf die Kapitel verteilt – inklusive Seitensträngen, Nebenschauplätzen und Randfiguren. So genau, dass sich dann jeder zurückziehen kann, um in seinem eigenen Tempo „seine“ Kapitel zu schreiben. Wer nach stilistischen Eigenheiten sucht, die den jeweiligen Autor erkenntlich machen, hat es schwer, was sicher auch daran liegt, dass sie sich nicht auf ihre Lektorin verlassen (die darf später dran), sondern ihre Kapitel gegenseitig redigieren. Ihrer Beziehung bescherte das vor allem anfangs die eine oder andere Krise, wenn das Manuskript rotstiftverschmiert zurückkam.

Auf Augenhöhe streiten


„Unser vielleicht größter Lernprozess war die Erkenntnis, dass es Zeit und Nerven spart, wenn wir nicht persönlich werden und auch nicht alles persönlich nehmen“, erklärt Kobr. Klüpfel ergänzt: „Die eigenen Interessen müssen bei unserer Art der Arbeit zurücktreten, das heißt auch, die Korrekturen des anderen anzunehmen und nicht darauf zu bestehen, dass das Eigene per se das Bessere ist.“ Mittlerweile gibt der Erfolg ihrer Bücher ihnen die nötige Sicherheit, um vorbehaltlos der Leistung des anderen zu vertrauen.

Auf der Bühne oder bei Talkshow-Auftritten pflegen Kobr und Klüpfel ein unterhaltsam-streitbares Geplänkel, tatsächlich jedoch teilen sie eine „Grundharmonie“, so Klüpfel, „sonst wäre unsere Art des Arbeitens zu anstrengend“.

„Wir haben natürlich aufgrund unserer Freundschaft eine andere Basis als Teams, die einfach zusammengewürfelt werden“, sagt Kobr, „insofern sind wir jetzt vielleicht kein typisches Kreativteam“. Allerdings: Den Respekt vor der Kreativität des anderen und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu verbinden, ist sicher für jede Form von Teamarbeit empfehlenswert.

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