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Allzweckwaffe
oder Mythos?

Ohne Teams läuft im Business nichts. Doch die Überlegenheit von Gruppenarbeit ist umstritten. Zwei Experten über die Stärken und Schwächen von Teams.

„Teamarbeit ist kein Zeitgeistphänomen“

Frieda Frenzel ist Teamtrainerin und Inhaberin der Firma teamwerken|de in Berlin

Wir Menschen sind soziale Wesen. Und Wettbewerbsvorteile haben sich Einzelne schon in der Evolutionsgeschichte durch den Zusammenschluss zu Kooperationen gesichert. Teamarbeit ist also keine Erfindung von sozial verbrämten Managern. Sie wurde vielmehr schon bei den Neandertalern gelebt. Die Männer waren Jäger, die Frauen Sammler. Auch wenn heute nicht mehr die Beutejagd als Ziel herhalten muss – das Prinzip von Teams ist dasselbe geblieben: Zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels macht jeder das, was er am besten kann, und steuert es der Gemeinschaft bei.

Heute bietet Teamarbeit die Antwort auf Hierarchieabbau und ist Teil einer zunehmend partizipativen Kultur in den Unternehmen. Die Denkweise dahinter ist leicht nachzuvollziehen: Wenn alle Ressourcen aktiviert werden – und zwar vom Hausmeister bis zum Chef –, können insgesamt bessere Ergebnisse erzielt, Abläufe optimiert und Innovationen entwickelt werden. Menschen sind hoch motiviert, wenn sie einbezogen werden, und übernehmen gern Verantwortung. Dazu kommt: Der Einzelne kann sich ins Team mit seinen Stärken einbringen und wird parallel von den Kollegen entlastet. Transparenz im Hinblick auf die Ziele des Teams ist wichtig, damit alle an einem Strang ziehen. So lassen sich Konflikte vermeiden, die durch ein Gegeneinander beim Arbeiten entstehen können.

Und ganz wichtig: Zugehörigkeit und Unterstützung durch das eigene Team stellen für die Beschäftigten einen nicht zu unterschätzenden Wohlfühlfaktor dar. Damit steigen auch Arbeitszufriedenheit und Motivation der einzelnen Mitarbeiter. In Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels ist dieser Aspekt ein gewichtiges Argument im Kampf um Talente.

Dass Teamarbeit kein Zeitgeistphänomen ist, wird sich auch in der Zukunft erweisen. Gesellschaft und Wirtschaft werden weiterhin immer komplexer. Da wird es auch künftig ein Einzelner kaum noch schaffen, die sich daraus ergebenden Anforderungen alleine zu erfüllen. Ein Ende der Teamarbeit ist also auch rund 30.000 Jahre nach den Neandertalern nicht absehbar.

„Teamarbeit gibt es nicht zum Nulltarif“

Professor Dietrich von der Oelsnitz, Teamforscher und Leiter des Instituts für Unternehmensführung am Lehrstuhl für Organisation und Führung der Technischen Universität Braunschweig sowie Fachbuchautor („TEAM: Toll, ein anderer macht’s! Die Wahrheit über Teamarbeit“, 2012)

„Teams“ – das klingt kurz, knackig und modern. Dröge„Arbeitskreise“ können da allein schon sprachlich nicht mithalten, obwohl sie im Prinzip dasselbe Phänomen bezeichnen.

Ohne Frage: Die Teamarbeit hat in den letzten Jahren eine beispiellose Karriere hingelegt. Heute kommt kaum eine Stellenanzeige ohne die Forderung nach ihr aus. Doch Vorsicht: Oft wird der Begriff nur als Chiffre für Sozialkompetenz verwendet.

Und bei allen Vorteilen, die Teamarbeit erzielen kann: Sie ist weit davon entfernt, das Allheilmittel für alle Tätigkeiten zu sein. Im Gegenteil. Sie kann auch kontraproduktiv wirken – zum Beispiel bei Routine-, Büro- und Verwaltungsaufgaben, die letztlich keinen Abstimmungsbedarf mit der Arbeit der Kollegen erfordern.

Dazu kommt: Teams werden auch immer wieder gern von Vorgesetzten zur persönlichen Entlastung missbraucht. Wer eine Aufgabe auf mehrere Schultern verteilt, versucht oft nur, sich selbst aus der Verantwortung zu nehmen. So wird Teamarbeit zum Deckmäntelchen für Entscheidungsschwache.

Auch bei Trittbrettfahrern aller Art ist die Teamarbeit beliebt. Faulenzern und Minderleistern gibt die Gruppe Deckung. So fliegen ihre eigenen Leistungsdefizite nicht auf. Andere Kollegen mit einem starken Bedürfnis nach sozialem Anschluss blühen generell in der Gruppe auf – leider oft unabhängig von den Ergebnissen, die diese Gruppe erzielt.

Last, but not least: Teamarbeit gibt es nicht zum Nulltarif. Sie verursacht jede Menge Koordinationskosten für die Abstimmung unter den Kollegen. Außerdem verlangt sie Vorgesetzten eine große Portion Fingerspitzengefühl ab. Teams lieber sich selbst steuern zu lassen, ist ein weitverbreitetes Missverständnis und führt schnell ins Chaos. Und das müssen die Chefs dann selbst ausbügeln.

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