HaysWorld
Archiv

Hier finden Sie alle Ausgaben der HaysWorld seit Oktober 2009. Sie können jeweils entweder die Gesamtausgabe oder einzelne Artikel als PDF herunterladen.

Zum PDF-Archiv

HaysWorld 01/18
ENTSCHEIDEN

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/17
MUT

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/17
EINFACHHEIT

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/16
KREISLAUF

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/16
STRUKTUREN

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/15
LEISTUNG

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/15
FÜHRUNG

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/14
VERTRAUEN

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/14
TEAMS

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/13
Intuition

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/13
Bewegung

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/12
Spielen

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/12
Intelligenz

Zur Online-Ausgabe

Der unsichtbare
Wirtschaftsfaktor

Rund um den Globus buhlen Firmen um die Gunst von Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern – mit milliardenschweren Auswirkungen auf Konsum, Wettbewerbsfähigkeit und Sozialprodukt. Ein Report über das Vertrauen als Wirtschaftsfaktor.

Der Absturz kommt meist plötzlich und rasant. Vom Hoffnungsträger zur Persona non grata, ausgelöst durch eine einzige Krise, Affäre oder einen Shitstorm: Viele Prominente aus Politik, Wirtschaft, Unterhaltung und Sport wissen ein Lied davon zu singen, wie es ist, wenn aus Unterstützern Feinde werden, aus Enthusiasmus Empörung und aus einem glanzvollen Aufstieg ein tiefer Fall.

Ein ruinierter Ruf kann dramatische Folgen haben – nicht nur für Promis, sondern auch für Manager und Firmen, für einzelne Branchen und die gesamte Ökonomie. Den Grund dafür nennt Ronald Frank, Leiter Studien beim GfK Verein in Nürnberg: „Je geringer das Vertrauensniveau in Gesellschaften ist, desto schwieriger ist es, dort Geschäfte zu machen“, sagt Frank. Und er muss es wissen, schließlich untersucht er regelmäßig in seinem „Global Trust Report“ den Einfluss von Vertrauen auf Institutionen, Branchen und Volkswirtschaften von 25 Ländern weltweit. Eines der Kern­ergebnisse des Reports: Fehlendes Vertrauen schwächt Volkswirtschaften. Weil es in den betroffenen Ländern sehr aufwendig sei, Transaktionen abzusichern, so Frank: „Als Zeichen des Misstrauens gegenüber dem Staat blüht die Schwarzarbeit, Firmen wandern ins Ausland ab und das Bruttosozialprodukt schrumpft.“

Vertrauen ist das Sozialkapital von Volkswirtschaften

Umgekehrt kurbelt vorhandenes Wohlwollen das Wachstum an. „Vertrauen ist das soziale Kapital von Volkswirtschaften“, erklärt Vertrauensforscher Professor Reinhard Bachmann, Director des Centre for Trust Research (CTR) der University of Surrey im englischen Guildford. Bei Transaktionen spare Vertrauen allen Beteiligten Zeit und Kosten und wirke daher wie ein Schmiermittel der Wirtschaft.

Der Einfluss dieses unsichtbaren Wirtschaftsfaktors ist nicht zu unterschätzen. Mindestens zehn Prozent des jähr­lichen Bruttoinlandsprodukts führt Bachmann hierzulande auf ein relativ hohes Vertrauensniveau beim Geschäfte­machen zurück. Dies entspricht einer Wirtschaftsleistung von stattlichen 270 Milliarden Euro. „Solch einen Vorsprung“,
so Bachmann, „sollte man nicht leichtfertig verspielen.“

Das kann sich Deutschland auch nicht wirklich leisten. Dem „Global Trust Report“ zufolge liegt die hiesige Ökonomie im internationalen Vergleich momentan mit einem Vertrauenswert von 60 Prozent nur im unteren Mittelfeld. Die vorderen Plätze belegen Südafrika (77 Prozent), die Schweiz (73 Prozent) sowie Kanada (72 Prozent). Schlusslichter sind Krisenstaaten wie Italien (49 Prozent), Argentinien (51 Prozent) und Ägypten (52 Prozent).

Verlässlich erscheinen den Deutschen besonders Institutionen wie Polizei, Justiz und Nichtregierungsorganisa­tionen. Großen Unternehmen begegnet man dagegen mit enormen Vorbehalten. Noch weniger Vertrauen als den Konzernen wird lediglich politischen Parteien entgegen­gebracht.

Bei den vertrauenswürdigen Branchen liegt das Handwerk vorn, gefolgt von Unterhaltungselektronik- und Haushaltsgeräteherstellern sowie der Autoindustrie. Die rote Laterne halten Banken und Versicherungen, deren Zuspruch von 36 Prozent im Jahr 2011 auf 29 Prozent im Jahr 2013 weiter bröckelte. Die Finanzkrise lässt grüßen.

Ähnlich dramatisch spiegelt sich die Eurokrise im Vertrauensbarometer wider. Während Kanadier, Schweizer und Schweden mit Werten um die 90 Prozent nahezu grenzenloses Vertrauen in ihr Geld haben, begegnen Deutsche dem Euro mit größter Skepsis. Nur 38 Prozent der hiesigen Bevölkerung vertraut seiner krisengeschüttelten Währung.

Trotz einiger Vertrauenshemmnisse: „In Volkswirtschaften wie Deutschland, die noch relativ viel vom Kuchen zu verteilen haben, ist das Vertrauen in die Wirtschaft meist nicht in Gefahr“, beruhigt Studienleiter Frank. In den EU-Krisenstaaten dagegen sei es fast restlos verspielt. „Und dies hemmt den Wiederaufbau von der Wurzel her.“

Vertrauen in die Berufsgruppen über alle Länder: die Top Ten

In der Netzwerkwirtschaft wächst der Wert von Vertrauen

Vertrauen ist in der Ökonomie jedoch nicht nur auf Makro­ebene wichtig – sondern auch in der direkten Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Geschäftspartnern. Besonders in der Netzwerkwirtschaft wächst der Wert von Vertrauen. „Der Trend, einen Großteil der Wertschöpfungskette an Partner outzusourcen, funktioniert ohne Vertrauen nicht“, sagt Frank Schabel, Leiter Marketing bei Hays. Flächendeckend durchgesetzt habe sich diese Erkenntnis jedoch noch lange nicht. „Firmen, die jetzt schon darauf setzen und ihren Geschäftspartnern mit einem Vertrauensvorschuss begegnen, werden dementsprechend Wettbewerbsvorteile erringen können“, prophezeit Schabel. Denn „Vertrauen entsteht zwischen Menschen, nicht zwischen Systemen“. Sein Business, das Personaldienst­leistungsgeschäft, baut auf diese Basis. Dazu gehört ein sensibler Umgang mit Bewerberdaten und Firmenvorgaben. Wer etwa mit den Lebensläufen eines Kandidaten hausieren gehe, sei des Vertrauens seiner Klienten auch nicht würdig. Und bei den suchenden Unternehmen baue man Vertrauen auf, indem man beweist, die Kundenanforderungen wirklich verstanden zu haben. „Dazu“, so Schabel, „gehört auch die Ehrlichkeit, zu passen, wenn keine geeigneten Kandidaten zu finden sind – anstatt unpassende Bewerber zu präsentieren und damit alle Seiten zu enttäuschen.“

Auch im Leadership ist Vertrauen derzeit en vogue. An­gebote wie Homeoffice oder Projektarbeit basieren auf diesem Konzept. Und die Vertrauensarbeitszeit, die statt auf Anwesenheit nur auf Arbeitsergebnisse setzt. Sie löst in immer mehr Firmen das langjährig praktizierte Modell der Stech- und Stempeluhren ab.

Umgekehrt erwarten Firmen und Vorgesetzte von ihren Mitarbeitern vollen Einsatz, Loyalität und eine Identifi­kation mit der Firmenkultur. Doch Vorsicht: „Führungskräfte sollten ihren Mitarbeitern gegenüber den Bogen nicht überspannen, indem sie ihnen zu viel Vertrauen abverlangen“, rät Bachmann. Denn wer vertraut, der macht sich auch verletzlich. Gute Chefs finden den Mittelweg aus Freiraum und Kontrolle. „Einerseits hemmt zu wenig Vertrauen die Geschäftstätigkeiten und das Wachstum. Andererseits aber führt zu viel Vertrauen
zu Stillstand und bremst die Innovationskraft“, erklärt der Wissenschaftler. Viel hilft also nicht immer viel.

Vertrauen in die Berufsgruppen über alle Länder: die Bottom Five

Artikel als PDF downloaden