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Spring doch!

Das sagt sich so einfach, wenn beim Blick vom Zehn-Meter-Turm in die Tiefe die Knie schlottern. Oder bei der Rede vor großem Publikum das Herz wie wild pocht. Dabei gibt es gute Strategien, wie man seine Angst vorm Fliegen oder davor, einer dicken Spinne ins Auge zu blicken, bekämpfen kann. Ein Tipp vorweg: Regelmäßig Hühner scheuchen hilft – zumindest bei einer der hier vorgestellten Mutproben.

Foto: Microgen/fotolia

François Waschke, Splashdiver

Sprung vom Zehn-Meter-Turm – bloß nicht nach unten gucken

Für François Waschke ist der Sprung kein großes Ding. Mit zwölf Jahren hat er sich dieser Mutprobe gestellt und sich seither hochgearbeitet – bis 27 Meter. Da bekam selbst er weiche Knie. Der 32-Jährige hatte irgendwann das Splashdiving, im Volksmund „Arschbombenspringen“, entdeckt. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine Sportart mit Weltmeisterschaften. Bei den Wettkämpfen geht es darum, nach Schraube oder Salto so aufzuklatschen, dass das Wasser möglichst hoch spritzt. 13 erlaubte Landepositionen gibt es. Eine davon ist das offene Brett, eine Sitzposition mit nach vorne ausgestreckten, gespreizten Beinen.

Waschke hat so 2013 aus 23 Metern Höhe einen Weltrekord aufgestellt. Damit die Wirbelsäule nichts abbekommt, hat er sich neun Monate mit intensivem Krafttraining auf den Sprung vorbereitet. Gegen die Schmerzen an den Beinen und am Allerwertesten hilft das allerdings nicht. „Mittlerweile springe ich am liebsten den klassischen Paketsprung. Ich ziehe möglichst hoch oben die Beine an, um möglichst lange als Päckchen durch die Luft zu fliegen“, sagt Waschke. Allen, die zum ersten Mal vom Zehn-Meter-Turm springen wollen, rät er, weder lange nach unten zu schauen noch lange zu überlegen. „Da man meistens bis auf den Boden des Beckens gucken kann, sieht man fast 15 Meter in die Tiefe. Am besten, man bittet jemand zu schauen, ob frei ist, läuft vor und springt.“

Sascha Thomas, Diplom-Psychologe

Flugangst besiegen – Wissen wirkt

„Einmal habe ich mich als Jugendlicher getraut, vom Zehn-Meter-Turm zu springen, heute würde mich die Angst vor Verletzungen eher davon abhalten“, lacht Sascha Thomas über die Frage, ob er den Sprung wagen würde. Dabei begibt er sich regelmäßig in viel größere Gefahr, würden seine Klienten vermutlich denken. Thomas ist Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut sowie Flugbegleiter bei der Lufthansa. Seit mehr als zehn Jahren leitet er für das Unternehmen Textor-Millot zweitägige Seminare gegen Flugangst. „Meist ist die Flugangst diffus, deshalb ermitteln wir zunächst, welche Angst tatsächlich dahintersteckt. Manche Menschen misstrauen der Technik, andere dem Piloten, weil sie ihn nicht kennen. Eine dritte Gruppe hat Angst, dass sie Angst bekommt. Das sind Menschen, die auch sonst unter Panikattacken leiden“, erklärt Thomas. Die Teilnehmer, die im Schnitt seit mehr als zehn Jahren unter Flugangst leiden und deshalb oft gar nicht mehr fliegen, lernen, wie sie mithilfe von Entspannungstechniken und bewusstem Lenken der Atmung die körperlichen Angstsymptome in den Griff bekommen. „Viele glauben beispielsweise, dass der Flug ganz schlimm wird, wenn sich die Flugbegleiter hinsetzen müssen. Oder dass die Maschine abstürzt, wenn es wackelt.“ Deshalb lernen die Teilnehmer vor allem auch viel über Flugzeuge und Abläufe beim Fliegen, um mit diesem Wissen eigene Annahmen relativieren zu können. So erklärt zum Beispiel ein Pilot, dass die Tragfläche nicht abbricht, wenn sie sich bewegt, und erläutert, was die einzelnen Fluggeräusche bedeuten. Am Ende von Tag eins betreten die Teilnehmer ein Flugzeug. Zunächst allerdings eines, das am Boden bleibt. „Bei der Besichtigung dürfen sie Cockpit, Triebwerke, Fahrwerke etc. von nächster Nähe betrachten und wenn möglich auch anfassen.“ An Tag zwei stehen zwei Linienflüge auf dem Programm. „Beim Hinflug sind viele noch angespannt, beim Rückflug sieht das schon ganz anders aus“, sagt Thomas. Bei 95 Prozent der Teilnehmer wirkt das Training. Jetzt müssen sie nur noch regelmäßig abheben, damit der Effekt nicht verpufft.

Dr. Johanna Lass-Hennemann, Psychologin

Spinnenphobie überwinden – der Angst ins Auge blicken

Drei Stunden braucht Dr. Johanna Lass-Hennemann, um Klienten von ihrer Angst vor Spinnen zu befreien. „Wir konfrontieren die Patienten zunächst mit kleinen Exemplaren, später dann mit großen Kellerspinnen“, erklärt Lass-Hennemann. Alle Schritte – der Patient soll die Spinne mit Glas und Postkarte einfangen, sie mit dem Finger anstoßen und schließlich das gefürchtete Tier über seine Hand laufen lassen – macht Lass-Hennemann nach und nach vor. „So sieht der Patient, dass man nicht stirbt, wenn man eine Spinne anfasst. Und bei jedem Schritt lernt er, dass die Angst nachlässt“, erklärt die Psychologin und betont: „Die Konfrontationstherapie hilft am besten, unsere Erfolgsquote liegt bei weit über 90 Prozent. Ich lasse das Tier sogar über mein Gesicht krabbeln.“ Gesicht?! Die Psychologin der Universität des Saarlandes in Saarbrücken lacht: „Ja, das zu lernen, hat auch mich Überwindung gekostet.“ Ganz mutige Patienten lassen sich am Ende der Sitzung eine Spinne in die Haare setzen oder auch übers Gesicht laufen. „Wir nennen das Overlearning, das heißt, ich mache mehr, als ich für den Alltag brauche“, erläutert Lass-Hennemann.

Aktuell arbeitet die Wissenschaftlerin an einem Forschungsprojekt mit, dessen Ziel es ist, die Spinnenphobie virtuell zu therapieren. „Durch eine Datenbrille sieht man den normalen Raum plus eine Spinne. Ein Biofeedback-Element gibt Aufschluss über Atmung und Herzfrequenz“, erläutert Lass-Hennemann. Doch aktuell nehmen die meisten Patienten noch eine ganz reale Spinne zum Üben mit nach Hause.

Ariane Willikonsky, Kommunikationstrainerin

Eine Rede halten – Hühner scheuchen hilft

Vom Zehn-Meter-Turm würde Lass-Hennemann nicht springen. „Niemals, für kein Geld der Welt“, sagt auch Ariane Willikonsky. Mit Mutproben kennt sich die Kommu­nikationstrainerin und Sprecherzieherin dennoch aus – oder besser mit dem Mut, den man aufbringen muss, eine freie Rede zu halten. „Obwohl ich das schon so oft gemacht habe, frage ich mich vorher jedes Mal, warum ich mir das antue“, gesteht Willikonsky. Dabei gehöre Lampenfieber unbedingt dazu. „Lampenfieber ist eine Energie, die hilft, ein Feuer bei den Zuhörern zu entfachen.“

Willikonsky, die 2003 das Fon Institut in Stuttgart gegründet hat, kennt alle Tricks für eine gelungene Rede. „Ich bin ein großer Fan von Moderationskarten. Sie sind das Netz der Rede, falls ich mal den Faden verliere.“ Willikonsky empfiehlt, die Rede im Vorfeld genau auszuformulieren, sie dann wegzupacken und die freie Rede zu üben. Auch für die Symptome des Lampenfiebers hat sie praktische Tipps: „Gegen einen trockenen Mund hilft Zitronenwasser und wer ins Schwitzen kommt, sollte etwas anziehen, bei dem sich keine Flecken abzeichnen.“

Gegen zu schnelles Reden rät die sympathische Schwäbin, auf der Bühne erst einmal einen stabilen Stand einzunehmen, das Publikum anzuschauen und – auszuatmen. „Das ist wie bei einem Dampfkochtopf, der Druck muss raus, damit er nicht hochgeht“, sagt Willikonsky und fährt fort: „Üben Sie auch präsent zu sein. Stellen Sie sich im Supermarkt, auf dem Bahnsteig oder in der Fußgängerzone vor, dass die Leute Sie anschauen.“ Und noch eine beruhigende Erkenntnis gibt Willikonsky mit auf den Weg: „Es gibt nicht die eine gute Rede, gefragt sind authentische Redner.“ Bleibt noch die Frage nach den Hühnern: Wer fürchtet, dass seine Stimme kippt, sollte regelmäßig Hühner scheuchen. Das „Ksch“ kräftigt das Zwerchfell und damit die Stimme.

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