HaysWorld
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HaysWorld 02/18
DIE ARBEIT RUFT

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HaysWorld 01/18
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HaysWorld 02/17
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HaysWorld 01/17
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HaysWorld 02/12
Intelligenz

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„VIELE UNTERNEHMEN BEHANDELN IHRE MITARBEITER
WIE KLEINE KINDER“

Wie kann Arbeiten mehr Spaß machen? Dieser Frage geht der Niederländer Pim de Morree zusammen mit seinen Kollegen Joost Minnaar, Freek Ronner, Catelijne Bexkens und Mireille Brook auf den Grund. Bei ihrer Suche lassen sich die fünf „Corporate Rebels“ von fortschrittlichen Unternehmen auf der ganzen Welt inspirieren.

Foto: Bram Berkien

Pim, wie seid Ihr zu „Corporate Rebels“ geworden?

Die Jobs in den großen Unternehmen, den „corporates“, in denen wir gearbeitet haben, waren sehr frustrierend: Das Arbeitsumfeld war völlig uninspirierend und geprägt von Trägheit, Bürokratie und Kontrolle. Deshalb haben wir uns entschlossen zu kündigen. Das war vor etwa zweieinhalb Jahren. Seitdem halten wir weltweit Ausschau nach Firmen, in denen das Arbeiten mehr Spaß macht. Wir wollen die Art und Weise verändern, wie in Unternehmen gear­beitet wird. Wir setzen uns dafür ein, dass die Arbeit die Menschen motiviert und inspiriert.

Wie genau sieht der Job eines Corporate Rebels aus?

Wir forschen und recherchieren viel zu den weltweit fortschrittlichsten und inspirierendsten Unternehmen. Wir sind auch selbst vor Ort, sprechen mit den Angestellten und verbringen einige Tage in den Unternehmen, um die Arbeitsorganisation dort kennenzulernen. Der andere Teil unserer Arbeit ist es, diese Erkenntnisse zu teilen, zum Beispiel über unseren Blog und ein Buch, an dem wir gerade arbeiten.

Aber ist es nicht auf die Dauer etwas kostspielig, um die Welt zu reisen und coole Unternehmen zu besuchen? Was ist Euer Geschäftsmodell?

Wir sind gestartet, ohne zu wissen, wie wir mit unserer Idee Geld verdienen könnten. Wir wollten ganz unvoreingenommen an die Sache rangehen und erst einmal tief eintauchen in das Thema. Daher haben wir in den ersten Monaten von unseren Ersparnissen gelebt und uns sehr eingeschränkt, um reisen zu können und interessante Unternehmen zu entdecken. Glücklicherweise haben wir dann Wege gefunden, Geld zu verdienen: Heute halten wir Präsentationen und bieten Workshops an, bei Konferenzen und auch direkt bei Unternehmen. Und als Berater helfen wir Unternehmen ganz konkret dabei, ihre Arbeitsweise zu verändern. Dabei setzen wir das, worüber wir so viel sprechen und schreiben, in die Praxis um.

Nach welchen Kriterien wählt Ihr die Unternehmen aus, die Ihr besucht und auf Eurer Website vorstellt?

Für die Auswahl gibt es keine wirklich strengen Kriterien. Wenn ein Unternehmen aus unserer Sicht interessante Sachen macht, fügen wir es zu unserer Liste hinzu und beginnen, es zu untersuchen. Interessant bedeutet für uns, dass die Arbeit dort in einer neuen Art und Weise organisiert ist. Das kann beispielsweise heißen, dass eine Organisation die Chefbüros abgeschafft hat, dass die Beschäftigten ihre Arbeits- und Urlaubszeiten selbst bestimmen oder dass jeder Mitarbeiter unternehmerische Verantwortung übertragen bekommt. Wir sind gestartet mit einer Liste mit etwa 35 Pionieren, heute sind es mehr als 100. Immer wenn wir neue Beispiele finden, informieren wir uns über das Unternehmen, besuchen es, sprechen mit den Beschäftigten.

Was kennzeichnet Unternehmen, in denen das Arbeiten Spaß macht?

Eines der wichtigsten Merkmale ist, dass die Beschäftigten dort wie Erwachsene behandelt werden. Viele traditionell organisierte Unternehmen schreiben ihren Mitarbeitern wie kleinen Kindern ganz genau vor, was sie wie und wann zu tun haben. Die Firmen, die wir in den vergangenen zweieinhalb Jahren besucht haben, vertrauen ihren Mitarbeitern viel stärker, geben ihnen viel Entscheidungsfreiheit und auch Verantwortung – ganz einfach, weil sie davon überzeugt sind, dass ihre Mitarbeiter selbst am besten wissen, wie sie die besten Ergebnisse erzielen.

Und was für Menschen arbeiten in diesen Unternehmen?

Man kann nicht sagen, dass das ein bestimmter Menschenschlag ist. Ihre Gemeinsamkeit ist vielleicht, dass sie Freiheit und Autonomie schätzen. Aber ich denke, das tun die meisten Menschen. Im Privatleben will sich ja auch niemand diktieren lassen, wie er seine Kinder erziehen oder sein Familienleben organisieren soll. Warum sollte man sich dann bei der Arbeit jeden Handgriff vorschreiben lassen?

Vielleicht verändert die Menschen ja auch die Art zu arbeiten. Wir haben an vielen Beispielen gesehen, dass Mitarbeiter umso unternehmerischer denken und handeln, je mehr Freiheit, Transparenz und Verantwortungsbewusstsein in Unternehmen gefördert werden.

Welches von den Unternehmen, die Ihr besucht habt, war das interessanteste?

Schwer zu sagen, jedes Unternehmen hat andere interessante Aspekte. Zwei Beispiele: Patagonia hat mich mit der sehr kraftvollen Mission überzeugt, die das Unternehmen verfolgt (Anm. d. Red: Der Outdoorausrüster hat sich zum Ziel gesetzt, die besten Produkte herzustellen und dabei die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten). Am chinesischen Unternehmen Haier (Anm. d. Red: einer der weltweit größten Hersteller von Haushaltsgeräten) beeindruckt mich die Organisationsstruktur: Der Konzern mit 70.000 Mitarbeitern wurde aufgesplittet in über 4.000 selbstorganisierte Mikrounternehmen, an denen die Mitarbeiter Anteile erwerben können und so selbst zu Unternehmern werden.

Was ratet Ihr einem Unternehmen, das ein motivieren­deres Arbeitsumfeld für seine Mitarbeiter schaffen will?

Wichtig ist es, die Beschäftigten selbst zu fragen, was sie wollen, und sie in den Veränderungsprozess mit einzubeziehen. Denn sie sind es, die an vorderster Front arbeiten und wissen, was nötig ist. Viele der Unternehmen, die wir besucht haben, stehen genau dafür: Sie bestärken ihre Mitarbeiter kontinuierlich darin, die Organisation weiterzuentwickeln und ein Teil davon zu sein. Bevor wir einen Beratungsvertrag mit einem Unternehmen abschließen, lassen wir immer erst die Mitarbeiter dort abstimmen, ob sie einen Wandel wollen oder nicht. Stimmen weniger als 75 Prozent mit Ja, arbeiten wir nicht mit diesem Kunden, weil wir denken, dass dann die Veränderungsbereitschaft nicht groß genug ist.

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