WISSENSARBEIT
AM SCHEIDEWEG

Welche Rolle kommt den Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeitern bei fortschreitender Digitalisierung zu? Gewinnen sie an Bedeutung? Oder beschert ihnen ein digitaler Taylorismus ein ähnliches Schicksal wie den Industriearbeitern im 20. Jahrhundert? Die Hays-Studie „Wissensarbeit im digitalen Wandel“ liefert Antworten.

Argumente finden sich für beide Thesen. Auf der einen Seite verleiht die Digitalisierung dem Thema New Work neue Schubkraft. Sie ermöglicht andere Arbeitsstile und eröffnet mehr Freiräume, in denen Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter ihr Potenzial optimal ausschöpfen können. Auf der anderen Seite bringt die Digitalisierung neue Formen der Automatisierung, Steuerung und Kontrolle mit sich, die auch vor der Wissensarbeit nicht haltmachen. Symptomatisch für die VUCA-Welt, in der wir leben, geben die Studienergebnisse keine eindeutige Antwort auf diese Kontroverse. Doch zeigen sie drei interessante Tendenzen auf.

1. Neue Themen, altes Mindset

In den letzten drei Jahren haben 52 Prozent der Unternehmen neue Technologien für die virtuelle Zusammenarbeit der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für flexible Arbeitsformen implementiert. Infolgedessen hat sich der Arbeitsalltag von Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeitern auf beiden Feldern spürbar verbessert. Trotzdem sind sie in der Frage gespalten, ob sich Unternehmen nun in Richtung New Work entwickeln: So nehmen 41 Prozent der Befragten einen Ausbau der Eigenverantwortung wahr, während 33 Prozent eine Stärkung der Hierarchien feststellen. Eine Vertrauenskultur halten 38 Prozent für etabliert, dagegen sprechen 30 Prozent von perfektionierten Anreiz- und Kontrollsystemen. Eine Ursache für dieses empirische Bild: Viele Unternehmen fokussieren sich beim digitalen Wandel vor allem auf Technik. Das gilt jedoch in weit geringerem Umfang für die weichen Themen Führung und Kultur. Hier sagen nur 16 bzw. 17 Prozent, auf diesen Feldern hätte es starke Veränderungen gegeben.

2. Digitalisierung steigert Leistungsdruck und Arbeitsbelastung

Dass neue digitale Technologien für eine größere Produk­tivität sorgen, stellen 57 Prozent der Befragten fest. Doch gehen diese Produktivitätszuwächse mit einem erhöhten Leistungsdruck (59%) und einer stärkeren Arbeitsbelastung (58%) einher. Hinzu kommen vielfältige Herausforderungen wie die Verdichtung der Arbeit, kurze Planungshorizonte, Komplexität oder die Ungewissheit über den richtigen Weg. Allerdings zeigen sich je nach der Gruppe der Befragten deutliche Unterschiede beim Umgang mit diesen Herausforderungen. Freiberuflich tätige Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter tun sich damit deutlich leichter als fest angestellte.

3. Freiberufliche Expertinnen und Experten: die digitale Avantgarde der Wissensarbeit

Das zeigt sich auch an den Strategien, die die beiden Gruppen wählen, um den Veränderungen in ihrem Arbeitsumfeld adäquat zu begegnen. So setzen freiberufliche Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter vor allem auf fachliche Netzwerke (74%) und Investments in ihre Weiterbildung (77%). Festangestellte dagegen wählen eher den Rückzug ins Private (53%). Für sie spielt Weiterbildung eine deutlich geringere Rolle (40%).

Kein Wunder, dass im Ergebnis die freiberuflich tätigen Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter als Gewinne­rin­nen und Gewinner aus dem digitalen Wandel hervorgehen, dessen Folgen sie deutlich positiver erfahren als die fest angestellten Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter.

Artikel als PDF downloaden

Wir haben die Kommentarfunktion wegen zu vieler Spam-Kommentare abgeschaltet. Sie können uns aber trotzdem Ihre Meinung zu diesem Artikel direkt per Mail an info@haysworld.de zusenden.