Menschen & Meinungen

„Am Anfang ist man immer allein“

Innovation wird aus dem Mut einzelner geboren.
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Zukunft entsteht nicht zufällig, sondern wird gemacht – von Ihnen oder von jemand anderem, sagt Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky: Wie ticken Menschen, deren Ideen die Welt verändern? Was ist ein Growth Mindset und warum lohnt es sich, Elon Musk auf Twitter zu folgen? Darüber sprach die Redaktion mit dem Autor, Coach und Managementberater.
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Herr Jánszky, von Galileo Galilei bis Elon Musk, manche Menschen prägen durch ihr Handeln die Zukunft mehr als andere. Gibt es ein bestimmtes Denkmuster, das solche Pionierinnen und Pioniere verbindet?

Sven Gábor Jánszky

Ja, es gibt eine Gemeinsamkeit, und zwar ihr Mindset. Menschen mit einem sogenannten Growth Mindset sind überzeugt, dass sie sich selbst und die Welt fortlaufend weiterentwickeln und verbessern können. Die heutige Welt ist für sie nicht fertig und perfekt, sondern ein zufäl­liges Zwischenergebnis. Wer die Zukunft aktiv gestaltet, lebt nach dem Grundsatz: „Nichts ist fertig, alles ist verbesserbar.“ Das gilt für Produkte oder Technologien, für das Unternehmen, in dem sie arbeiten, die Gesellschaft, in der sie leben. Und für ihren eigenen Kopf!

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Den eigenen Kopf? Sich selbst infrage zu stellen, klingt nicht unbedingt nach jemandem wie Elon Musk ...

Sven Gábor Jánszky

Trotzdem ist Elon Musk der Prototyp für ein Growth Mindset. Er traut sich Sachen zu, die andere für unmöglich halten. Alle großen Unternehmer oder Pioniere haben sich nicht davon abhalten lassen, dass andere sagen: „Das geht nicht, das braucht niemand, das schaffst du nicht.“ Sie haben bewusst Regeln gebrochen und sogar vermeintliche Naturgesetze infrage gestellt. Ansonsten gäbe es heute keine Eisenbahn, keine Autos, keine Raketen, keine PCs und Smartphones, keine Quantencomputer.

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Bitte erklären Sie das Growth Mindset etwas genauer: Woher stammt diese Theorie und was steckt dahinter?

Sven Gábor Jánszky

Das Konzept geht zurück auf die amerikanische Psychologin Carol Dweck. In ihren Studien konnte sie nachweisen, dass Menschen unterschiedliche Überzeugungen hinsichtlich ihrer Intelligenz haben. Menschen mit einem Fixed Mindset gehen davon aus, dass ihre kognitiven Fähigkeiten und Talente weitestgehend angeboren sind. Sie bewegen sich deshalb lieber in gewohnten Bahnen und scheuen große Herausforderungen. Menschen mit einem Growth Mindset vertrauen dagegen fest darauf, dass sie immer besser werden, indem sie lernen, trainieren und sich an neue Aufgaben wagen.

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Wenn es stimmt, dass man sich immer weiter entwickeln kann, ist es dann nicht auch möglich, ein Growth Mindset zu entwickeln?

Sven Gábor Jánszky

Auf jeden Fall. Der wichtigste Tipp, den ich meinen Mentees in Seminaren und Beratungsgesprächen gebe, lautet: Unser Denken wird geprägt durch unser Umfeld. Wenn ich mich mit Bewahrern und Bedenkenträgern umgebe, werde ich selbst einer. Ich sollte mir also bewusst den größeren Teil meiner täglichen Information und Inspiration von progressiven Menschen mit einem Growth Mindset holen.

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Wie mache ich das, wenn mein persönliches Umfeld eher konservativ ist?

Sven Gábor Jánszky

Nutzen Sie zum Beispiel das Internet. Dank Social Media sind inspirierende Menschen mit einem Growth Mindset nur einen Mausklick entfernt. Egal, ob Elon Musk oder Michelle Obama: Auf Plattformen wie Twitter, Youtube oder LinkedIn, in Blogs, Podcasts oder bei Online-Talks können Sie täglich an den Gedanken, Ideen und Ansichten von Persönlichkeiten teilhaben, die Zukunft aktiv gestalten und etwas bewegen wollen. Ich selbst mache das auch. Das funktioniert wunderbar.

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Apropos Obama: Zieht es Menschen mit Growth Mindsets eher in die Wirtschaft oder in die Politik? Als Regierungsvertreter könnten sie doch eigentlich viel mehr bewegen ...

Sven Gábor Jánszky

Nicht unbedingt. Als Regelbrecher sind Sie zwangsläufig ein Außenseiter und eben gerade nicht „politisch korrekt“ und mehrheitsfähig. Keine einzige bahnbrechende Verän­derung ist durch eine Volksabstimmung oder einen Mehrheitsbeschluss in die Welt gekommen, sondern ging von Einzelpersonen oder ganz kleinen Gruppen aus. Denken Sie zum Beispiel an Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung. Oder den Mauerfall. Am Anfang ist man immer allein und muss für seine Überzeugungen Opfer bringen: Sei es Geld, Zeit, Sicherheit oder Popularität.

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Klingt unbequem. Was ist so verkehrt daran, sich mit dem Status quo zufriedenzugeben?

Sven Gábor Jánszky

Nichts, wenn Sie zu den Menschen mit einem Fixed Mindset gehören. Es wird immer Menschen geben, die lange Zeit und ohne große Entwicklung in derselben Position und für dasselbe Unternehmen arbeiten und damit glücklich sind. Zufrieden mit dem Erreichten zu sein ist nicht schlimm, bringt die Welt aber auch nicht voran. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit könnten viele erheblich mehr erreichen, wenn sie sich höhere Ziele stecken würden.

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Höher, schneller, weiter – ist das nicht ein etwas überholtes Karriere-Konzept?

Sven Gábor Jánszky

Mit „mehr erreichen“ meine ich nicht unbedingt „mehr Geld“ oder „mehr Umsatz“, sondern auch mehr Freiheit, mehr Selbstverwirklichung, mehr Veränderung. Diese Entwicklung lässt sich meiner Meinung nach ohnehin kaum aufhalten. Statische Jobs werden weniger, immer mehr Menschen werden stattdessen künftig regelmäßig Aufgaben und Positionen wechseln. Ein Teil freiberuflich, die anderen in Projekten angestellt. Ich sehe das positiv: Mit jedem Wechsel lernen wir dazu, sammeln Erfahrungen, schöpfen unser Potenzial weiter aus. Die Welt ist nicht vollkommen. Wenn man einmal so denkt, lässt es einen nicht wieder los. Ein Leben lang – und das ist auch gut so.

Sven Gábor Jánszky, Zukunftsforscher und  Chairman des 2b AHEAD ThinkTanks in Deutschland.
Foto: © Sven Gábor Jánszky

Sven Gábor Jánszky (47) arbeitet seit 20 Jahren als Zukunftsforscher und ist Chairman des 2b AHEAD ThinkTanks in Deutschland. Seine Strategieempfehlungen sind zum Maßstab für Geschäftsmodelle der Zukunft für Unternehmen aller Branchen geworden. Seine Prognosen und Erkenntnisse fußen auf mehr als 150 wissenschaftlichen Studien und Trendanalysen, die der ehemalige Journalist mit seinem Institut regelmäßig durchführt.

Buch: "2030 DeinWeg zum Zukunfts-Ich" von Sven Gábor Jánszky.
Foto: © Sven Gábor Jánszky

2030 – wie viel Mensch verträgt die Zukunft?

Lieben Sie Ihre Zukunft? Oder haben Sie Angst davor? Nach diesem Buch werden Sie sich entscheiden können. Die beiden Autoren Sven Gábor Jánszky und Lothar Abicht legen mit ihrem neusten Zukunftsbuch (Überarbeitete Neuauflage des Bestsellers heißt nun „2030 – Dein Weg zum Zukunfts-ICH“) eine radikale „Ode an den Optimismus“ vor. Sie nehmen ihre Leser mit auf eine Zeitreise ins Jahr 2030. Auf einem faszinierenden Rundgang durch die Welt der Zukunft erläutern sie, wie technologische und gesellschaftliche Trends in den kommenden zehn Jahren unsere Welt verändern werden.

Kirstin von Elm

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