Workout für die Demografiefitness

Drei Fragen an... Leonora Fricker, Programmleiterin der Demografieberatung rebequa und Geschäftsführerin der Unternehmensberatung healthpro mit Sitz in Düsseldorf.

Leonora Fricker
Leonora Fricker, Programmleiterin der Demografieberatung rebequa und Geschäftsführerin der Unternehmensberatung healthpro

Wie sieht das optimale "Workout" für Demografiefitness aus?

Wie jedes Training startet es zuallererst mit der Einsicht, die Dinge endlich selbst in die Hand nehmen zu wollen. Viele Firmenchefs drücken sich allerdings lange vor dieser Einsicht. Sie denken, Demografie findet allerorten statt, nur nicht im eigenen Betrieb. Sobald sie aber die Ergebnisse einer Altersstrukturanalyse präsentiert bekommen, wird ihnen schlagartig klar: "Houston, wir haben ein Problem!" Zahlen lügen nun mal nicht. Und sie sind wichtig, um das Workout überhaupt erst einmal zu starten. Bevor man also die Trainingsziele festlegen kann, ist eine Analyse des Istzustands notwendig. Fragen, die man sich stellen sollte, sind: Welche Altersstruktur weist unser Unternehmen auf? Wie wird die Altersstruktur in zehn bis 15 Jahren aussehen, wenn wir nichts ändern? Wer seine Schwächen kennt, ist meist schon motiviert genug. Im nächsten Schritt gilt es, daraus die wichtigsten Trainingsziele abzuleiten, wie etwa die Senkung der Fluktuation unter den branchenüblichen Durchschnitt oder die Vermeidung langer Fehlzeiten in der Alterskohorte der 55- bis 64-Jährigen. Danach werden alle relevanten Handlungsfelder durchleuchtet. Dabei helfen Fragen wie: Schöpfen wir das Potenzial unserer langjährigen Mitarbeiter aus? Pflegen wir den Wissensaustausch zwischen Alt und Jung? Wie haben sich die Ansprüche und Bedarfe unserer Kunden geändert?

Wer muss dafür alles mittrainieren?

Alle betroffenen Bereiche und Mitarbeiter, egal ob alt oder jung. Unternehmenskultur, Arbeitsorganisation, Rekrutierung, Personalentwicklung, Gesundheitsförderung und Märkte 50plus. Für jeden Bereich wird ein Sollwert entwickelt und mit einer Strategie verknüpft. Ganz wichtig ist: Das Workout darf nicht auf Human Resources beschränkt bleiben, Demografie ist ein Querschnittsthema. Rückgrat des Trainings ist die Geschäftsführung. Steht sie hinter dem Vorhaben, hat das Projekt beste Aussichten. Aber alle Strategien müssen immer mit der Basis erarbeitet und von ihr legitimiert werden. Nur so lässt sich eine neue, wettbewerbsfähige Unternehmenskultur aus altersgemischten Teams schaffen.

Welche Hürden gibt es auf dem Weg zu diesem Ziel, und wie umgeht man sie?

Das eigene Unternehmen demografiefit zu machen, ist eine Challenge. Besonders im Mittelstand bilden die Kosten oft den entscheidenden Stolperstein. Ausgaben für kulturpolitische Maßnahmen werden besonders sorgfältig geprüft. Um diese Hürde zu umgehen, sollte zu Beginn ein Businessplan erstellt werden, in dem der Return on Investment (ROI) der Maßnahmen ausgewiesen wird. Eine weitere Hürde ist — wie so oft bei Change-Projekten — die Motivation der Menschen. Ziel sollte sein, dass alle, die mitmachen, das Projekt auch als ihr eigenes ansehen. Ist eine Gruppe zu träge oder verweigert die Teilnahme, kann manchmal externe Unterstützung helfen. Demografieberater zum Beispiel arbeiten wie Personal Trainer. Sie beraten bei der Zielsetzung, empfehlen eine Strategie und sorgen dafür, die Projektbeteiligten bei der Stange zu halten und so die gemeinsamen Ziele auch wirklich zu erreichen. Zugegeben: Wie bei jedem Fitnesstraining ist der Weg beschwerlich. Aber das Ziel lohnt das Kämpfen. Denn wer die demografische Herausforderung als Chance nutzt, sichert nicht mehr und nicht weniger als die Wettbewerbsfähigkeit seiner Firma.

Interview: Judith-Maria Gillies