3 Fragen an … Christa Stienen
Lebensläufe: zu viel Zickzack = zu wenig Zielstrebigkeit?

Gradlinig verlaufen Karrieren nur noch in der Theorie. Die Praxis sieht anders aus. Denn Brüche im Lebenslauf sind heute kein Ausschlusskriterium mehr, erklärt Christa Stienen, Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM), im Interview.

Wie geht man mit Brüchen im Lebenslauf um?

Meiner Ansicht nach sollte man sich heute generell nicht mehr ausschließlich an der lückenlosen Stringenz im Lebenslauf orientieren. Bevor man also viel zu viel Zeit für den fachlichen Perfect Match aufwendet, sollte man eher auf die Zwischentöne achten. Zum Beispiel: Wie kam es zu der Erwerbsbiographie des Kandidaten? Diese Informationen könnten dann beispielsweise Aufschluss darüber geben, wie gut jemand in die Firmenkultur passt.

Wie wichtig ist denn der Cultural Fit?

In jedem Fall wichtiger als der ein oder andere Bruch im Lebenslauf. Schließlich geht es heute mehr und mehr um die gute Zusammenarbeit in Teams. Da ist es wichtig zu verstehen, wie jemand an bestimmte Dinge herangeht.

Und worauf kommt es dabei im Assessment an?

Wenn es um die Beurteilung des richtigen Cultural Fit geht, macht es einen großen Unterschied, wer den Kandidaten in den jeweiligen Situationen beobachtet. Derjenige, der den Neuzugang einstellt und anschließend mit ihm arbeiten wird, sollte die Beobachter-Rolle einnehmen. Denn der weiß im Zweifel am besten, womit die Person im Team oder gegenüber dem Vorgesetzten umgehen lernen muss. Gerade in punkto Cultural Fit sollte diese Aufgabe nicht automatisch an den externen Berater delegiert werden.