„WAGHALSIG SEIN
IN KLEINEN SCHRITTEN“

Anthony Hsiao ist vierfacher Gründer. Mit seinem aktuellen Start-up, Productive Mobile, hilft er Firmen, ihre IT so simpel und bequem wie Consumer Apps zu machen. Firmenmitarbeiter sollen so produktiver, mobiler und flexibler werden. Im Interview warnt er vor Fehlern, die aus Dummheit passieren - und ermuntert zu Fehlern, die auftreten, weil man Neues gewagt hat.

Herr Hsiao, Sie sind selbst mehrfacher Gründer. Ihre Erfahrung: Was haben Start-ups den Konzernen in Sachen Fehlerkultur voraus? 

Erst einmal muss man unterscheiden: Fehler ist nicht gleich Fehler. Grundsätzlich vermeiden sollte man Fehler, die aus Dummheit oder aus fehlender Planung passieren – egal ob man Start-up oder Großkonzern ist. Aber es gibt auch Situationen, in denen man scheitert, weil man etwas Neues probiert hat. Solche „Fehler“ sind eher ein Indiz dafür, dass man schnellen Schrittes voranschreitet. Wenn sie nicht passieren, ist man entweder zu langsam oder zu vorsichtig. Wir Start-ups überleben, weil wir schneller als andere aus diesen Experimenten lernen. 

Bei einem Großunternehmen steht im Zweifelsfall mehr auf dem Spiel als bei einem Start-up – sollten sich Konzerne solche Experimente trotzdem leisten?

Vermutlich wünscht sich niemand, dass die Techniker und Piloten einer Fluglinie oder die Beschäftigten in einem Atomkraftwerk plötzlich anfangen zu experimentieren und Neues auszuprobieren. In einem Umfeld, wo alles klar ist und lediglich ein Konzept repliziert oder skaliert werden soll, geht es natürlich vor allem darum, Fehler zu vermeiden. Aber Beispiele wie Amazon zeigen, dass auch große Firmen wagemutig und dadurch hochinnovativ sein können. 

Wie gelingt ihnen das?

Das Rezept ist immer das gleiche: Man ist waghalsig in kleinen Schritten. Um neue Ideen zu testen, werden kleine Teams eingesetzt, die eigenständig entscheiden und volle Budgetkontrolle haben – sodass sie im Zweifelsfall auch mal Geld verbrennen können. Dadurch können sie sich so schnell bewegen wie ein Start-up. Ideen, die funktionieren, werden dann weiter ausgerollt. 

Was war beruflich Ihr größter Fehler und was haben Sie daraus gelernt?

Ich habe festgestellt: Oft erweisen sich die Entscheidungen, die man nicht gefällt hat, im Nachhinein als die größten Fehler. Etwas nicht zu verändern, nur weil es gerade einigermaßen läuft, bringt aus meiner Erfahrung die meisten Probleme mit sich.