Eine kurze
Geschichte des Spiels

Damit verlieh er ihm spirituelle Bedeutung, die lange anhielt: So wurde der Wurf eines Würfels als Versuch gewertet, den göttlichen Willen oder Unwillen zu ermitteln. Auch die ersten Olympischen Spiele 776 vor Christus waren mehr als ein rein sportliches Kräftemessen. Sie wurden zu Ehren des gött­lichen Helden Pelops und des Gottvaters Zeus veranstaltet. Von der besonderen Euphorie und Begeisterung sind bis heute Elemente erhalten geblieben – denken wir an die emotionale Wirkung der aufwendig gestalteten Eröffnungs- und Abschlussfeiern.

Mikado war bereits bei den Römern 100 vor Christus bekannt. Anhand der Anordnung der Stäbchen wurde orakelt und es wurden Rückschlüsse auf den Spieler gezogen. Den Stäbchen wurden Eigenschaften zugeordnet, sodass der Gesamtwurf, aber auch die entnehmbaren Teile etwas über sein Schicksal aussagten. Auch Lotto, Wetten sowie Spiele um Besitz und Geld haben in vielen Kulturen eine lange Geschichte. Sie waren wechselweise mal verboten mit ihrem Ansatz, das Glück der Götter herauszufordern, dann wieder beliebtes Mittel zur Finanzierung von Kriegen oder aufwendigen Bauten.

Im deutschen Sprachraum war im Mittelalter der Schwerttanz sehr beliebt. Daher kommt auch die ursprüngliche Bedeutung des althochdeutschen Wortes Spiel: Es bedeutet Tanz oder tanzen. Steinstoßen, Speerwerfen, Wettlaufen und Kegeln waren weitere Favoriten. Ritter liebten – Abbild ihrer Wirklichkeit – Kampfspiele. Bei ihren Kreuzzügen ins Morgenland entdeckten sie Brettspiele wie Schach, dessen Urform schon im 5. Jahrhundert nach Christus in Indien erfunden worden war. Mit lebensnahen Gegenständen wie kleinen Ritterfiguren oder Miniaturausgaben von Waffen wurden Jungen aus dem Adel und Bürgertum auf spätere Rollen vorbereitet, Mädchen bekamen Puppenstuben und Nähutensilien.

Heute gelten Brettspiele als Spezialität der Deutschen. Jedes Jahr kommen viele neue Spielideen auf den Markt. Mensch ärgere Dich nicht wurde bereits 1907/1908 erfunden. Zu den neueren Bestsellern gehören Siedler von Catan (1995) oder Carcassonne (2000). Mit dem Aufstieg des Computers zum Massenmedium sind digitale Spiele immer beliebter geworden.

Seit Ende der 90er-Jahre hat sich daher die Ludologie als neuer eigenständiger Forschungszweig der Spielforschung etabliert: Sie untersucht das Massenphänomen digitaler Spiele und ihre Auswirkungen auf die Gegenwartskultur. Im Zuge dessen werden die Bemühungen wieder größer, die Geschichte des Spiels, seine Abgrenzungen und Kategorien erneut zu untersuchen und dabei auch Gegenwartsfragen wie Methodik, Wirkung und Gestaltung von Computerspielen wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Quelle: Wikipedia et al.