Roadmap für die Entwicklung guter Führung

In der Großwetterlage der deutschen Führungskultur zeichnen sich aus Sicht der Führungskräfte in Deutschland drei aufeinander aufbauende Entwicklungsstufen „guter Führung" ab.

Stufe 1:
Der Schwerpunkt des Führungshandelns wechselt von Effizienz und Ertrag zu Kreativität und Erneuerung. An die Stelle von Linienhierarchie, Zielemanagement und Controlling tritt die flexible Organisation in dezentralen Teams, die als Treiber von Kreativität, Kooperation und Veränderung fungieren. Geschäftsmodelle werden auf den Prüfstand gestellt. Der Schwerpunkt von Führung verlagert sich von instrumentell gestützten Führungssystemen zu Identitätsbildung, Team-Coaching und Empowerment. Aus Management wird  Leadership.

Stufe 2:
Die Teamstrukturen werden zunehmend durch selbst organisierende Netzwerke ergänzt oder ersetzt. Mit der Nutzung sozialer Medien in der Kommunikation innerhalb des Unternehmens und nach außen nimmt der direkte hierarchische Einfluss weiter ab. Die Transformation zum Enterprise 2.0 erhöht noch einmal deutlich die Selbstbestimmung der Mitarbeitenden und verringert die Kosten der Zusammenarbeit.
Die Unternehmensprozesse werden beschleunigt und die Wahrscheinlichkeit kreativer Impulse steigt. Ohne eine attraktive Vision und ohne verbindlich vereinbarte Regeln wächst dabei aber das Risiko eines Verlustes an gemeinsamer Ausrichtung. Führung hat nun die Aufgabe, über die Definition von Rahmenbedingungen und die Vermittlung von Sinnzusammenhängen die wachsende Eigendynamik zu kanalisieren und eine Synchronisierung der Aktivitäten sicherzustellen. Führung wird immer indirekter und Führungskräfte brauchen selbst eine intensive, begleitende Reflexion, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Stufe 3:
Die Unternehmensaktivitäten werden in einen stabilisierenden Wertekanon eingebettet. Aus der Wertorientierung der Shareholder-Value-Perspektive wird die Werte-Orientierung eines solidarischen Stakeholder-Handelns.

Entnommen aus: Studie "Führungskultur im Wandel", herausgegeben von der Initiative "Neue Qualität der Arbeit" in Berlin, Tiefeninterviews mit 400 Führungskräften in Deutschland.