Interview mit Spieleerfinder Dr. Reiner Knizia
„Spiele sind ein Spiegel unserer Zeit“

Welche Kriterien muss ein Spiel Ihrer Meinung nach erfüllen?

Ganz einfach: Es muss Spaß machen und es muss spannend sein.

Sie sind promovierter Mathematiker und haben zuletzt im Management einer deutschen Großbank gearbeitet.
Wie wurden Sie Spieleautor?


Es war einfach die „Liebe zum Spiel“. Ich komme aus einer schwäbischen Kleinstadt, in der es nur einen Spielzeugladen mit einem sehr überschaubaren Spieleangebot gab. Da wird man erfinderisch, wenn man einen ausgeprägten Spieltrieb hat. Bereits als Kind habe ich mein erstes Spiel kreiert. Ernsthafter habe ich mich Mitte der 80er-Jahre mit dem Spieleerfinden beschäftigt. 1997machte ich dann mein Hobby zum Hauptberuf.

Wie kommen Sie auf neue Ideen?

Inspiration gibt es überall, man muss nur genau beobachten und hinsehen. Ich habe mehr Ideen, als ich umsetzen kann, denn ein Spiel bis zur Marktreife zu bringen, bedeutet monatelange Arbeit. Da ich meine Spiele immer in Zusammenarbeit mit einem Verlag kreiere, bekomme ich beispielsweise ein Thema vorgegeben. Dann ziehe ich mich zurück, denke sehr viel nach und tauche nach und nach in diese Welt ein.

Zu welchen Tageszeiten sind Sie besonders kreativ?

Ich bin ein Frühaufsteher. Für mich beginnt der Tag zwischen vier und fünf Uhr morgens. In den frühen Morgenstunden kann ich ungestört kreativ sein, später am Tag muss ich mich dann auch um das operative Geschäft kümmern.

Spielen Sie selbst?

Ich spiele jeden Tag, um meine Erfindungen zu testen, zu überarbeiten und besser zu machen und auch zum Spaß. Jeden Abend außer Freitag treffe ich mich mit verschiedenen Spielgruppen. Einmal in der Woche gehe ich in den Kindergarten und spiele mit den ganz Kleinen.

Welches Spiel mögen Sie besonders, das Sie selbst nicht entwickelt haben?


Ich finde nach wie vor, dass Mäxchen ein tolles Spiel ist. Man braucht nur zwei Würfel, einen Becher und einen Bierdeckel. Da es um Bluffen und Täuschen geht, ist das Spiel in seiner Einfachheit einfach toll und sehr facettenreich. Jeder Mitspieler kann wie ein Schauspieler auf einer Bühne agieren.

Inwiefern hat sich ihre Arbeit im Laufe der Zeit gewandelt?

Spiele sind ein Spiegel unserer Zeit. Heute sind viel mehr Action und viel mehr Erlebnis gefragt. Die Spieler nehmen sich heute weniger Zeit zum Spielen. Die Spieldauer muss daher kürzer sein. Die Spielanleitungen müssen noch verständlicher und knapper sein, sodass ein schneller Einstieg in ein Spiel möglich ist. Die Veränderungen der Spielekultur sind erstaunlich, beinhalten aber auch große Chancen. Ich nutze diese Herausforderungen und habe auch Spiele für Nintendo DS oder die Wii gemacht. Der Kern meiner Arbeit ist es, neue Einfälle zu haben. Das ist die schönste Herausforderung – auch im Wandel der Zeit.