Unternehmen & Märkte

Gu­te Kar­ri­e­re-Aus­sicht­en für In­ge­ni­eure und In­ge­ni­eur­in­nen

René Gruner, Senior Manager im Bereich Digital Technology & Engineering, spricht im Interview mit HaysWorld über Karriere-Chancen und Herausforderungen für Ingenieurinnen und Ingenieure.
Silvia Hänig

Ingenieursberufe galten in der Vergangenheit durch die Bank als krisensicher. Bestätigt die aktuelle Fachkräfte-Entwicklung diesen Trend?

René Gruner

Wenn wir von der „Corona-Delle“ einmal absehen, ist die Nachfrage laut unseres Index im vierten Quartal 2021 um ganze 80 Prozentpunkte im Vergleich zur Ersterhebung im Jahr 2015 angestiegen. Betrachten wir lediglich den Zeitraum vor und nach der Pandemie, so hat die Nachfrage aktuell wieder das Niveau von 2019 erreicht.

Beim Blick auf die einzelnen Berufsbilder gibt es aber schon Unterschiede. So wurden Entwicklungsingenieurinnen und -ingenieure für Antriebstechniken im Vergleich deutlich weniger gesucht als beispielsweise Ingenieurinnen und Ingenieure mit Spezialisierung auf die Bereiche Projektmanagement, Bau und Automatisierung. Auch die Bereiche erneuerbare Energien, Cybersecurity, künstliche Intelligenz oder auch umweltfreundliche Technologien haben es auf die fachliche Expertise der Ingenieurinnen und Ingenieure abgesehen. Insbesondere in den neuen und aufstrebenden Märkten wie Green Tech, E-Mobility oder erneuerbare Energien werden viele Projekte gestartet und neue Unternehmen gegründet. Hier braucht es Fachkräfte mit Erfahrung im Projektgeschäft und in der Projektentwicklung.

Silvia Hänig

Spiegelt sich dieser Nachfrageanstieg auch in den Gehältern wider?

René Gruner

Ob sich Gehälter entsprechend nach oben entwickeln, hängt sowohl von der jeweiligen Branche als auch von der beruflichen Erfahrung ab. Ingenieurinnen und Ingenieure, die mehr als zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen können, hatten 2021 rund 3 Prozent mehr Gehalt (65.000 EUR) in der Tasche. Aber auch die Konjunktur übt Einfluss auf Gehaltsentwicklungen aus. Ein gutes Beispiel ist hier die Baubranche.  Die Gehälter im Bauingenieurswesen liegen deutlich unter der derzeitigen Durchschnittsvergütung (rund 57.000 EUR), dennoch stehen die Chancen auf bessere Verdienstmöglichkeiten gut, da der Bauboom anhält und viele Infrastrukturprojekte angeschoben werden.

Silvia Hänig

Welche Berufsgruppe unter den Ingenieuren und Ingenieurinnen hat denn im vergangenen Jahr den größten finanziellen Gewinn gemacht?

René Gruner

Mit Abstand die größten Gehaltssprünge verzeichneten die Berufsbilder zwischen klassischem Ingenieurwesen und Informationstechnologien. Diese „IT-Ingenieure und -Ingenieurinnen“ erhielten ein durchschnittliches Brutto-Jahresgehalt von 62.560 EUR. Das liegt zum einen sicherlich daran, dass Fachkräfte in diesem Bereich überdurchschnittlich gefragt sind und daher einen vergleichsweise hohen Marktwert haben. Andererseits bietet diese Berufsgruppe aber auch ein verhältnismäßig breites fachliches Wissen an, denn die Kombination aus Ingenieurswesen und IT-Kenntnissen ist besonders im Bereich Industrie 4.0 (also bei IoT-Projekten) gefragt, aber auch im Umfeld anderer Automatisierungsvorhaben.

Silvia Hänig

Unternehmen müssen verstärkt auf ihre Kosten achten. Nehmen Sie vor diesem Hintergrund eine zurückhaltende Einstellungsbereitschaft wahr?

René Gruner

Nein, davon ist bisher nichts zu spüren. Weder wenn es um Nachwuchskräfte, noch wenn es um berufserfahrene Ingenieure und Ingenieurinnen geht. Das Recruiting in diesem Berufsfeld zeigt sich davon bisher noch unberührt. Im Gegenteil, bedingt durch die steigende Wechselwilligkeit erhalten besonders Rekrutierung und Retention eine strategische Bedeutung in den Unternehmen. Sie sollten sich daher jetzt dazu Gedanken machen, wie sie die Kosten für diese Szenarios im Griff behalten. Ein zukunftsfähiger Weg wäre sicherlich, die Workforce noch weiter zu flexibilisieren, um schneller auf eine veränderte wirtschaftliche Situation reagieren zu können. Bisher agieren viele Personaletagen hier noch viel zu träge.

Silvia Hänig

Wie sieht es mit dem Zuwachs weiblicher Ingenieurinnen aus? Gibt es hier nennenswerte Fortschritte?

René Gruner

Ich wünschte dem wäre so. Denn dass wir als „Land der Ingenieure“ es nicht schaffen, mehr Frauen für dieses Berufsfeld zu begeistern, ist schon sehr ernüchternd. Branchenübergreifend fällt der Frauenanteil verschwindend gering aus. Dennoch scheinen sich die weiblichen Talente vor allem für die Informatikberufe zu interessieren. Hier macht der Frauenanteil rund 16 Prozent aus. Nicht viel, aber immerhin ein Hoffnungsschimmer. Besonders gering ist die Frauenquote im Bereich Energie- und Elektrotechnik, die Industriezweige mit besonders hohem Beschäftigungspotenzial.

Silvia Hänig

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