Unternehmen & Märkte

Zukunftskompetenzen im Controlling – gut erklärt!

Der Bereich Controlling durchlebt in den nächsten Jahren einen tiefgreifenden Kompetenzwandel. Daher wird die Frage immer wichtiger: Welche Kompetenzen benötigen Controller und die CFOs? Wie sollen sich die Unternehmen angesichts des Wandels verändern?

Diesen Fragen gehen Prof. Dr. Ronald Gleich, Prof. Dr. Mischa Seiter und Dr. Stefan Zeibig in der ersten Folge des Podcast-Specials nach. Die Podcast-Reihe wird im Rahmen einer Kooperation mit dem Podcast „Controlling Vordenker“ und Hays produziert.

Vorstellungen

Prof. Dr. Ronald Gleich: Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, Schwerpunt: Controlling and Management Practice.

Prof. Dr. Mischa Seiter: Professor an der Universität Ulm, Institut für Business Analytics

Prof. Dr. Mischa Seiter

Lieber Herr Zeibig, es freut mich sehr, dass wir heute in dieser Podcast-Folge das ganze Thema Kompetenzen im Controlling und wie sich diese Kompetenzen in Zukunft verändern werden behandeln können. Da hat mich speziell Ihre Meinung interessiert, da Sie als Unternehmensberater spezialisiert auf die Controlling-Funktion viele Einblicke in diese Wandlungsprozesse in Unternehmen haben und deswegen würde mich als erste Frage interessieren: Die Rolle des Controllers ist im stetigen Wandel. Welche Kompetenzen werden denn in den nächsten Jahren wichtiger werden?

Dr. Stefan Zeibig

Herr Seiter, vielen Dank für die Einladung zu diesem spannenden Gespräch. Das ist eine sehr spannende Frage. Aus unserer und meiner Beobachtung und Erfahrung muss der Controller das Zusammenspiel zwischen Prozessen, Systemen, Daten und Strukturen perfekt beherrschen. Wichtig ist dabei vor allem das Verständnis der Zusammenhänge, vor dem Hintergrund von End to end Prozessen, zur Generierung der eigentlichen Steuerungsinformationen perfekt parat zu haben. Das gilt im Allgemeinen in anderen Positionen, vor aber allem im Bereich des Perfomance-Management-Prozesses, den wir auch Data to Insights nennen. Denn hier werden im Endeffekt die eigentlichen Daten zur Steuerung des Unternehmens generiert. Damit hängt im Prinzip die Fähigkeit des Controllers und des Controllings zusammen mit diesen Zahlen, in welcher Form auch immer, zu arbeiten und diesen Prozess und diese Strukturen perfekt zu beherrschen.  

Was in den letzten Jahren massiv dazugekommen ist, ist das Thema Data Analytics. Der Controller sollte zumindest ein Grundverständnis von Algorithmen haben, wenn er auch selbst nicht unbedingt eine mathematische Grundausbildung hat. Es muss zumindest ein Grundverständnis bestehen, wie Algorithmen funktionieren und welche Voraussetzungen existieren, damit ich Algorithmen steuern und automatische Forecasts mit ihnen generieren kann. Mit diesen Forecasts kann dann an der Mensch-Algorithmus-Schnittstelle gearbeitet werden. Algorithmen zu generieren ist aus unserer Sicht auch nichts mehr Neues. Aber diese in die laufenden Prozesse zu integrieren, ist eine Herausforderung, mit der viele Unternehmen mittlerweile konfrontiert sind. Da spielt der Controller eine wichtige Rolle, genau das mit zu orchestrieren. Last but not least, gilt es mehr und mehr auch Governance-Aufgaben wahrnehmen zu können. Dies ist möglich mit einer guten Mischung aus Beharrung und softer Überzeugung. Denn ich kann nur dann diese Strukturen weltweit aufrechterhalten, wenn ich sie einerseits durchsetze, aber andererseits auch offen bin für kreative und gute Vorschläge, die ich dann wieder rückintegrieren kann in meinen globalen Standard.

Prof. Dr. Mischa Seiter

Das waren jetzt ganz viele Aspekte in einer Antwort, deswegen möchte ich auf einige der Aspekte nochmal genauer eingehen. Wenn wir uns das Thema Forecasting noch einmal anschauen, welches sicher eins der zentralen Domänen im Controlling ist: Wie würden Sie beschreiben, was Controller nun Neues können müssen zum Thema Forecasting? Sie haben auf Analytics angespielt und auf Algorithmen. Was ist da die wirkliche Neuigkeit? Wo sehen wir da neue Kompetenzen im Controlling?

Dr. Stefan Zeibig

Forecasts sind wahrscheinlich so alt, wie das Controlling selbst. Zu wissen, wo ich am Ende des Jahres bin oder wo ich zu einer bestimmten Zeit rauskomme, ist so alt wie der Wunsch zu wissen, wo ich aktuell stehe. Das Problem dabei ist allerdings, dass sich in den letzten Jahren Forecasts und auch die Nutzung der Forecasts sehr stark ausdifferenziert hat. Der eigentliche Wunsch des Controllers zu wissen, wo ich rauskomme, ist die eine Sache. Andererseits werden Forecasts mehr und mehr politisch aufgeladen und auch politisch genutzt. Beispielsweise im Vertrieb finden Forecasts oftmals statt, um ein Ambitionslevel hochzuhalten, beziehungsweise sogar noch höher zu setzen, wenn ich mich im Ist aktuell mehr oder weniger übertreffe. Forecasts werden genutzt, um daraus das nächste Ziel abzuleiten. Das bringt das Problem mit sich, dass ich mein Ziel möglichst nicht zu hoch setzen möchte, weshalb dann der Forecast und dessen Genauigkeit, darunter leidet, weil dann bewusst sogenanntes „Sandbagging“ betrieben wird. Sprich: die Leute untertreiben. Das alles hat dazu geführt, dass die Qualität der Forecasts, aus Sicht des Controllers zumindest, gelitten hat. Denn dieser möchte mit Forecasts das Management objektiv mit Informationen zur Steuerung versorgen oder selbst objektiv steuern. Dort kommen neue, neutralere, nicht-aufgeladene Methoden ins Spiel – nämlich Algorithmen, die im Best Case nicht nur die Genauigkeit erhöhen und automatisieren, sondern auch genau diese politische Aufladung nicht beinhalten.

Prof. Dr. Mischa Seiter

Und Controller müssen dann diese Algorithmen selbst in irgendeiner Weise programmieren, oder gibt es die mittlerweile von der Stange? Und was brauch ich an neuen Kompetenzen, die ich bisher nicht gebraucht habe?

Dr. Stefan Zeibig

In der Regel sind Controller nicht unbedingt ausgebildete Mathematiker oder Statistiker. Deswegen gibt es Data Scientists, eine neue Rolle, die sich im Controlling aber auch allgemein im Unternehmen herausgebildet hat. Algorithmen finden nicht nur in der Unternehmensteuerung und im Controlling Anwendung, sondern auch in anderen Funktionen, wo sie teilweise schon vor vielen Jahrzehnten eingesetzt wurden. Das heißt die Anwendung in Funktionsbereichen hier im Finance-Bereich ist eher das Neuere. Dafür werden Mathematiker und Statistiker auch dort zunehmend eingesetzt. Das heißt, der Controller muss das nicht unbedingt selbst können. Er muss die Algorithmen auch nicht programmieren. Von der Stange gibt es mittlerweile von den meisten Software-Tools auch Algorithmen, die aber in der Regel nicht so gut funktionieren, sodass also hier aus unserer Erfahrung heraus, ein selbst erstellter Algorithmus die besseren Ergebnisse liefert. Meistens sind es sogar Algorithmus-Bündel. Nichtsdestotrotz muss der Controller wissen, was da ungefähr passiert. Denn nur dann ist er auch in der Lage das Ergebnis dem Management oder auch der Controlling Community zu verkaufen. Er muss dafür sorgen, dass Vertrauen entsteht. Denn nur mit Vertrauen in die generierten Zahlen, werden diese auch genutzt und sind so potenziell überhaupt erst in die Prozesse integrierbar.

Mehr Infos zum Controlling finden Sie auch hier: www.hays.de/lp/finance. Unser Experte Gerald Fahnenbruck freut sich auf Ihre Anfrage unter gerald.fahnenbruck@hays.de.

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