Zukunft & Innovation

Der Fachkräftemangel ist mit Recruiting allein nicht zu bewältigen

Dirk Hahn, CEO von Hays Germany & CEMEA, über die Entwicklung des Arbeitsmarktes und die Herausforderungen für Unternehmen.
Haysworld

Herr Hahn, was sind die Trends auf dem Arbeitsmarkt?

Dirk Hahn

Individualisierung, Flexibilisierung und Digitalisierung sind Megatrends, die unsere Arbeitswelt seit Jahren stark beeinflussen. Die Pandemie hat diese Entwicklungen nochmal beschleunigt. Was meine ich damit? Ein wesentlicher Teil von New Work ist quasi über Nacht gelebte Praxis geworden. Viele Arbeitnehmende durften (oder mussten) plötzlich standortunabhängig arbeiten. Ihnen wurde mehr Flexibilität angeboten als zuvor auch nur geplant war. Gut so! Vielen Unternehmen fällt es immer noch sehr schwer, Arbeit so flexibel zu gestalten, wie es die Mitarbeitenden erwarten. Denn das bedeutet mehr als nur mobiles Arbeiten. Es ist ein Balanceakt zwischen Vertrauen und Ergebnis. Und es geht darum, individuellen Lebensentwürfen und Mindsets gerecht zu werden. Damit tun sich vor allem die Führungskräfte schwer, die in der Ergebnisverantwortung stehen. Hier ist mehr Offenheit gefragt.

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Der Fachkräftemangel ist ja nicht neu – oder doch?

Dirk Hahn

Er hat heute eine ganz andere Qualität und Brisanz als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Waren früher vor allem IT-Fachkräfte rar, so zeichnet sich heute ein anderes Bild: Das ifo Institut meldete jüngst, dass rund jedes zweite Unternehmen vom Personalmangel betroffen ist. Mittlerweile muss man sich eigentlich fragen, in welchen Branchen und Unternehmensebenen es noch genügend Fach- und Führungskräfte gibt. Durch die dramatische Entwicklung ist die Personalsituation mittlerweile zu einer regelrechten Notlage geworden. Das benötigte Personal zu finden und möglichst lange zu halten, ist heute einer der kritischsten Faktoren für Unternehmen und gehört auf jede strategische Agenda. Der Erfolg am Arbeitsmarkt entscheidet darüber, ob ein Unternehmen wachsen und am Markt bestehen kann. Das gilt für internationale Konzerne genauso wie für den Mittelstand.

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Wie wirkt sich diese Kandidaten-Knappheit auf Personaldienstleistungsunternehmen aus?

Dirk Hahn

Wir haben seit vielen Jahren den Finger am Puls des Arbeitsmarktes und einen guten Namen bei unseren Kunden. Dennoch merken auch wir die Veränderungen für unser Geschäft. Früher haben uns unsere Kundenunternehmen ausschließlich damit beauftragt, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für ihre unbesetzten Stellen zu finden. Zwar ist das heute auch noch so, allerdings erkennen immer mehr Unternehmen, dass neben der Rekrutierung auch noch andere Hebel betätigt werden müssen, um die Workforce für die nächsten Jahren zu rekrutieren. Wir werden heute beispielsweise weniger nach einzelnen Talenten, sondern eher nach umfassenden Personallösungen gefragt, z. B. im Bereich IT oder auch HR. Unsere Kundenunternehmen suchen eher eine ganzheitliche Beratung statt Einzellösungen. Nur das ermöglicht und sichert den Erfolg des Unternehmens in der Zukunft. Dem entspricht auch unser neuer Unternehmensclaim „Working for your tomorrow“.

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„Working for your tomorrow“ – was bedeutet das?

Dirk Hahn

Dieser Claim beschreibt sehr gut, wohin wir uns in den letzten Jahren entwickelt haben. Wir arbeiten daran, die Herausforderungen der Zukunft zu lösen, gemeinsam mit unseren Kundenunternehmen und Fach- und Führungskräften. Zwei Beispiele für Lösungen, die wir unseren Kundenunternehmen anbieten: Als Spezialist für Personalberatung können wir die Recruiting-Prozesse unserer Kunden optimieren, da wir sie sehr gut kennen und intern über das Know-how verfügen. Darüber hinaus können wir als Managed Service Partner das gesamte Personalmanagement bündeln. Das freut den Kunden, der sich jetzt nicht mehr um einzelne Kompetenzen sorgen muss, sondern auf unsere ganzheitliche Beratung zurückgreifen kann. Das bedeutet weniger Komplexität und mehr Effizienz im gesamten Personalmanagement.

Manchmal muss man auch neue Wege gehen. Vor allem, wenn gesuchte Ressourcen nicht verfügbar sind. Als internationales Personaldienstleistungsunternehmen können wir auch in angrenzenden Ländern passende Fachkräfte finden und gewinnen. So bringen wir qualifizierte Fachkräfte aus dem europäischen Ausland und Unternehmen zusammen, zu denen sie ansonsten keinen Zugang hätten. Mit speziellen Kandidatenprogrammen sprechen wir darüber hinaus auch gezielt Zielgruppen an, die zuvor nicht im Fokus waren, wie Best-Ager, hochqualifizierte Mütter in Teilzeit oder Nachwuchs-Talente.

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Warum war gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Neu-Positionierung der Unternehmensmarke?

Dirk Hahn

Über die letzten Jahre haben wir unsere Leistungen und Services immer stärker ausdifferenziert und eigene Subbrands und Spezialmarken dafür entwickelt. Heute geht es nicht mehr darum, einzelne Leistungen anzubieten, sondern alle Services als Teil einer ganzheitlichen Beratung. Deshalb ist nun der richtige Zeitpunkt für mehr Einfachheit, Klarheit und Einheitlichkeit des Markenauftritts. Das hat vor allem Vorteile für die Kundenunternehmen. Sie erhalten heute einen holistischen Beratungsansatz und müssen nicht mit unterschiedlichen Teams interagieren. Deshalb stellen wir die Marke Hays in den Mittelpunkt und verknüpfen alle unsere Services.

Wir verstehen uns als Personalberatungsunternehmen, das seinen Kunden genauso wie den Fachkräften als starker Partner zur Seite steht. Wir beraten und unterstützen unsere Partnerunternehmen dauerhaft, denn Erfolg ist immer ein Teamergebnis.

ein Interview geführt von Clemens Hoh

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