HaysWorld
Archiv

Hier finden Sie alle Ausgaben der HaysWorld seit Oktober 2009. Sie können jeweils entweder die Gesamtausgabe oder einzelne Artikel als PDF herunterladen.

Zum PDF-Archiv

HaysWorld 01/18
ENTSCHEIDEN

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/17
MUT

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/17
EINFACHHEIT

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/16
KREISLAUF

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/16
STRUKTUREN

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/15
LEISTUNG

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/15
FÜHRUNG

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/14
VERTRAUEN

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/14
TEAMS

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/13
Intuition

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/13
Bewegung

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 01/12
Spielen

Zur Online-Ausgabe

HaysWorld 02/12
Intelligenz

Zur Online-Ausgabe

Wege in
die Welt

Menschen wandern, um zu arbeiten. Das war schon immer so. Heute gilt Bewegung gar als Qualifikation. Doch in Zukunft bleiben Arbeitnehmer wohl zunehmend zu Hause.

Weltweit waren im Jahr 2012 rund 220 Millionen Menschen Migranten – sie lebten in einem anderen Land als in dem, in dem sie geboren wurden. Professor Oltmer, überrascht Sie das?

Nein. Die Zahl ist niedrig, die UN-Statistik allerdings lückenhaft: Sie bezieht sich auf Menschen, die Grenzen überschritten haben. Internationale Migration ist nur ein Bruchteil von beruflich bedingten Bewegungen. In China beispielsweise stehen rund 200 Millionen Wanderarbeiter für das Wachstum der Städte, dafür, dass Wolkenkratzer um Wolkenkratzer gebaut wird. Das ist eindrucksvoll.

Wie viele Menschen wandern, um zu arbeiten?

Es gibt keine verlässlichen aktuellen Daten, ich kann Ihnen aber eine historische Zahl nennen: Um 1900 waren im Deutschen Kaiserreich rund 50 Prozent der Bevölkerung Migranten. Auch heute haben wir eine enorme Bewegung – weltweit und besonders in der Altersgruppe zwischen 15 und 35 Jahren.

Ich habe den Eindruck, dass Arbeitnehmer heute mobiler sein müssen als früher.

Das täuscht. Menschen haben sich schon immer bewegt: Sie suchen Chancen und Arbeit andernorts und passen sich gesellschaftlichen Herausforderungen an. In Europa haben wir Gesellschaften, die sehr stark durch Migration gekennzeichnet sind. Das 19. Jahrhundert ist von Abwanderung, das 20. Jahrhundert von Zuwanderung geprägt. Bewegung gehört zur Realität jeder Gesellschaft. Der Mensch hat von Afrika aus die Welt bewandert. Migration prägt die Welt.

Was hat sich verändert?

Wir kommen überall hin, weite Wege sind kein Hindernis mehr. Zudem erhöht sich die grenzüberschreitende Fluktuation. Junge Leute zwischen Schulabschluss und Berufseinstieg wohnen innerhalb weniger Jahre oft in vielen verschiedenen Ländern.

Wohin migrieren Menschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf der Suche nach Arbeit?

Wer in die Medien guckt, hat den Eindruck, es kommen Hunderttausende übers Mittelmeer nach Europa. Das stimmt nicht. Arbeitsmigration aus Afrika nach Europa ist minimal und wird weiter abnehmen. Migration findet innerhalb der entwickelten und innerhalb der unterentwickelten Länder statt. Dazwischen passiert wenig.

Nehmen wir an, ich gebe Ihnen eine Weltkarte und Sie müssen die Wege der Arbeitsmigranten nachzeichnen. Wo verlaufen diese?

Sie verlaufen beispielsweise innerhalb der Europäischen Union, aus den USA nach Japan, von Europa nach Nordamerika oder in die Golfstaaten. Schwellenländer wie Indien, Brasilien, Südkorea oder Taiwan ziehen immer mehr Arbeiter an. China wird zum Einwanderungsland. Global kann man beobachten: Die Menschen bewegen sich vom Land in die Stadt. Experten prognostizieren, dass 2050 mehr als zwei Drittel der dann neun Milliarden Menschen in Städten leben werden. Die Großstädte wandeln sich zu Megastädten.

Wären Sie ein hoch qualifizierter Ingenieur ohne Aussicht auf Karriere in Ihrer Heimat – wohin würden Sie auswandern?

In die USA oder nach Europa – als hoch qualifizierter Naturwissenschaftler könnte ich mir das Land aussuchen. Es wird derzeit viel über Krise gesprochen, dennoch gilt: Wer über Qualifikationen verfügt, hat gute Chancen.

Und wer bereit ist, sich zu bewegen …

Ja, aber das haben Hochqualifizierte bereits bewiesen. Qualifikation bedeutet, Bewegung auf sich zu nehmen.

Welche Jobs und Fähigkeiten sind außerdem begehrt?

Deutschland sucht nach Ärzten und Pflegern. Weltweit gefragt sind IT-Spezialisten. Wissenschaft und Forschung gelten als internationalisierte Veranstaltungen.

Welche Rolle wird Arbeitsmigration in Zukunft spielen?

Es wird sie immer geben und sie wird einen hohen Stellenwert behalten, vor allem zwischen den entwickelten Ländern. Arbeitsmigration wird aber weniger: Dank modernster Kommunikationstechnologien können wir zunehmend auf Bewegung verzichten.

Artikel als PDF downloaden