Nachhaltiger Erfolg ist nur möglich, wenn man sich an Werte hält

Eine Form von Spiel sind Machtspiele –auch in Klöstern?

Die gibt es auch im Kloster, obwohl die christliche Religion im Kloster eigentlich ein exemplarischer Ort sein soll, an dem Machtspiele außer Kraft gesetzt sein sollten.  Aber es gibt keine Organisation von Menschen, in denen nicht einer Macht ausübt oder ─ vielleicht sagen wir es positiver ─ Verantwortung trägt. Dass ich Macht ausspiele, vielleicht dann noch mit zugeschlagenem Visier, darf aber nicht sein.

Jenseits von Machtspielen, wird im Kloster generell gespielt?

In bayrischen Klöstern ist es üblich, dass Karten gespielt werden. Dafür gibt es immer die Zeit zwischen Abendessen und Nachtgebet, wo die Mönche oder Schwestern noch beieinander sitzen. Im Kloster Metten in Niederbayern gibt es beispielsweise eine starke Schafkopf-Tradition. Bei uns in Andechs hatten wir uns immer den Mittwochabend frei gehalten, wo wir zu viert Rommé gespielt haben.

Trotzdem ist ein Kloster eine ernsthafte Angelegenheit?

Das meint man immer. Wenn Sie „Im Namen der Rose“ lesen vom Umberto Ecco: Da geht es ja darum, dass ein Buch über das Lachen versteckt wird, weil die Mönche ernst sein sollen. Aber wenn ich an unsere Praxis denke: Wir hatten zwei Mitbrüder, die immer ihre Taschen voll von Zetteln hatten mit Witzen. Da hat der eine den anderen hochgeschaukelt und den neuesten Witz erzählt, die alle klösterlich gesittet und nichtsdestotrotz gut waren.

Und Konflikte?

Konflikte gab es schon, aber die sind oft nicht gelöst worden. Vielleicht waren sie auch gar nicht zu lösen. Natürlich gibt es Konflikte, die von tiefer Antipathie geprägt sind. Sie sind im Kloster plötzlich ein Leben lang mit jemandem zusammen, den Sie nicht riechen können.

Ist Glaube etwas Individuelles?

Natürlich gibt es unterschiedliche Formen von Glauben. Ich habe Glauben nie als einschränkend empfunden, sondern immer als öffnend. Das hat mit meiner Kindheit zu tun: Ich bin in einem nicht kirchlich geprägten Elternhaus aufgewachsen und habe mir alles selbst angeeignet ─ in der Schule, als Ministrant oder durch mein Engagement in der kirchlichen Jugend. Hier hatte ich schon das Gefühl, dass es etwas enger wurde. Aber durch Kloster, Studium und Seelsorge ist es wieder weiter geworden. Vor allem, weil ich mit Menschen zu tun hatte. Mir war es schon sehr früh ein Anliegen, Religion, Glaube oder Kirchlichkeit niemals als Keule zu verwenden, um anderen etwas einzubläuen. Das Wort Evangelium heißt für mich befreiende Botschaft.

Herr Bilgri, vielen Dank für das Gespräch.